Wettkampfbericht vom Ironman Austria 2007
Geschrieben von Martin Mühl am 11. July 2007. Kategorie: Ironman Austria 2007, Wettkampfbericht
Artikel-Serie: Wettkampfberichte
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Nachdem die Tränen getrocknet sind und ich 3x darüber geschlafen habe, hier nun der vollständige Bericht von meinem Rennen.
Ziel des 8monatigen Trainings war ganz klar unter 11h zu schwimmen/radfahren/laufen. Alles andere wäre eine Niederlage (wie ja auch in meinen Zielen beschrieben). Training hat im großen und ganzen gepasst, einige Krankheiten hatten es mich zwar nicht immer wie gewünscht durchziehen lassen, aber alles noch im grünen Bereich.
Das Wetter am Renntag war wieder mal perfekt. Auf der ersten Radrunde vielleicht sogar etwas zu kühl da die Sonne kaum draussen war, war dann aber auch gut dass sich Wolken und Sonne immer wieder abgewechselt haben.
Schwimmen
Der Schwimmstart war ein bissl konfus um es mal so auszudrücken (komplett deppat um es anders zu sagen). Folgendes ist passiert: Die Pros (und C-Promis) starten ja 50m vorm Rest der Menschheit und sind vorne schon im Wasser - die Agegrouper werden noch an Land gehalten. Geplant wäre gewesen - wie im Vorjahr - die Agegrouper dann gegen 6:50 Uhr ins Wasser zu lassen und um Punkt 7 Uhr erfolgt dann der gemeinsame Schwimmstart. So wird’s jedenfalls geplant gewesen sein. Problem war das die Hiasl’n die Leute erst um 6:57 Uhr ins Wasser gelassen haben und die ganz nervösen schon vorne Weg geschwommen sind. Einige Pros haben das mitbekommen und haben dann auch begonnen wegzuschwimmen, und um nicht alles im heillosen Chaos untergehen zu lassen, wurde die Kanone dann schon um 6:58 Uhr gezündet.
Ich bin da noch gemütlich am Weg nach vorne die Schwimmbrille richtend. Wie auch immer die Minute die ich dadurch verliere bringt mich auch nicht um. Schwimmen selbst war dann eigentlich recht ereignislos, bin links gestartet und hatte meist genug Platz und wenig Schlägereien.
Lendkanal wurde wieder recht eng, die Algen waren aber bei weitem nicht so schlimm wie voriges Jahr. Was die Zuschauerstimmung angeht von der im Lendkanal alle so schwärmen - davon kriegst du absolut nichts mit. Das einzige was man hört ist die Musik die aufgedreht ist, aber Leute jubeln hört man im Wasser einfach nicht. Ist aber trotzdem ein geiles Gefühl wenn man die Menschenmengen zumindest jubeln sieht. Schwimmausstieg. Blick auf die Uhr: Fast auf die Sekunde 1:10 - alles perfekt im Plan. Schneller Wechsel (3,5min statt über 9min voriges Jahr) und ab aufs Rad.
Radfahren
Von Anfang an ganz gut gefühlt, fast nur am Überholen gewesen. Zwar noch ein bissl kühl weil die Sonne nicht draussen war, aber ok. Auf der Wörthersee-Südufer Strasse immer so ca. 40er Schnitt. Geht alles schön dahin. Für nächstes Jahr reicht absolut die Aero-Bottle vorne und eine Iso-Flasche am Rahmen - die vielen Verpflegstände lassen nicht mal bei mir Durst aufkommen.
Erste Probleme kündigen sich an
Wie ja jeder weiss (so auch ich), soll man ja während des Wettkampfes und auch kurz davor keine Experimente mehr mit der Ernährung machen. Also keine neuen Riegel, Gels oder was auch immer probieren. Daran halte ich mich natürlich auch. Problematisch wird es nur wenn die letzte Bestellung der HighFive Energy Gels dann solche mit neuer Rezeptur ins Haus bringt. Ich hab mir natürlich nicht viel dabei gedacht, beim Radfahren aber bemerkt dass sich doch Verdauungsprobleme ankündigen. Aber nicht wirklich schlimm, nur ein bissl ein ungutes Gefühl im Magen eben.
Der Anfang vom Ende
Ende der ersten Runde: Geplant war ca. 2:50h pro Runde, die sensationelle Zeit: 2:37h! Ein paar Rechnungen angestellt. Das muss jetzt knapp ein 34er Schnitt gewesen sein, für die zweite Runde reicht also sogar ein 30er Schnitt um unter Plan zu bleiben. Da gehen sich im schlimmsten Fall auch einige Stopps wegen Klo gehen aus. Realistisch also eine 5:30er Radzeit, was mir für den Marathon über 4h Zeit lassen würde um mein Ziel zu erreichen - perfekt!
Ich träume noch vor mich hin und merke plötzlich mit dem Hinterrad stimmt was nicht. Also stehengeblieben, Hinterrad angesehen, Luft geht aus. Noch ganz ruhig denk ich mir: ‘Kein Problem, ich hab genug Zeit. Reifenwechsel.’ Also Schlauch gewechselt, Patrone in den Adapter, UND DANN DAS DRAMA!!! Ich SAUTROTTEL hab nicht kontrolliert ob das Ventil eh zugedreht ist - Überraschung: war es nicht - kaum war also die Patrone oben ist auch schon das Gas rausgekommen und ich in meiner Panik hab versucht herumzufingern und es noch schnell aufs Ventil zu stecken. Bis ich da soweit war, war die halbe Patrone leer. Leichte Unruhe macht sich breit.
Ich steh also leicht unruhig am Strassenrand und schau allen zu wie sie an mir vorbeidüsen. Kommt eine Kampfrichterin vorbei und bleibt stehen. Passt - die holt den Materialwagen, ich ruh mich daweil aus und dann geht’s mit frischen Kräften weiter. Geht sich alles noch aus. Gesagt getan - sie ruft beim Materialwagen an. Geplante Ankunftszeit bei mir: 1,5h. Ich hab glaubt mich trifft der Schlag.
Ein Zuschauer auf Rollerblades ist dann zu mir gekommen und hat gemeint er wohnt in der Nähe und kann mir den Reifen aufpumpen (ja ich weiß fremde Hilfe ist untersagt - verklagts mich). Geb’ ich ihm also den Reifen mit. Kommt er nach 10min sowas (gefühlte 2h) wieder und schüttelt nur den Kopf. Hat er den Reifen aufgepumpt und ist er ihm dann in der Hand explodiert. Warum? Weil ich SAUTROTTEL HOCH ZWEI wahrscheinlich nicht aufgepasst und den Schlauch überkreuz reingegeben hab - klar das ihm das nicht so taugt. Da steh ich dann also und hab’ weder Schlauch noch Patrone und schön langsam wird’s ungut mit der Zeit.
Von den vorbeifahrenden Athleten hat natürlich keiner 2 Ersatzschläuche mit. Erst als nach ca. weiteren 20min (gefühlten 3 Tagen) zwei Engländer stehenbleiben können die mir einen Schlauch und eine Patrone überlassen - GOD SAVE THE ENGLISH! Also gewechselt, aufgepumpt und weiter geht’s. Bin noch erstaunlich ruhig.
Rechenspiele angestellt: Jetzt hab ich über 45min verloren, dh heisst es hat sich alles erledigt mit der Zeit. Also noch das Beste draus machen - die Radrunde zu Ende bringen und dann ausgeruht den Marathon voll laufen. Dachte ich jedenfalls. Der Unterschied zwischen meiner kleinen Teletubbie-Gedankenwelt und der wirklichen Welt ist, dass erstens wenn ich eine dreiviertel Stunde herumstehe ich komplett aus dem Rhythmus draussen bin. Für den Körper war das ja schon ein Signal dass es vorbei ist. Als ich dann wieder am Rad war hab ich plötzlich alle kleinen Wehwehchen gespürt die man sonst erst im Ziel spürt. Und zweitens ist die ganze Motivation weg. Komplett. Erledigt. Nada. Njente. Alles weg. Der Geist ist gebrochen sozusagen. Für mich hat halt nur gezählt dass ich unter 11h ins Ziel komme, alles andere war da nicht wichtig. Ob’s am Ende 11:10h oder 17h werden, wär mir wurscht gewesen (sehe ich auch jetzt noch so).
Das (geistige) Ende
Bei der Verpflegestation am Faaker See hab ich dann das Rad abgestellt und hab mich wegen den Magenproblemen mal aufs Dixie-Klo gesetzt. Und in dem Moment hab ich dann wahrscheinlich begriffen dass die ganze Arbeit der letzten Monate zum Teufel ist.
Acht Monate Training, zwei Trianingslager, unzählige Kilometer und Stunden, mehrere Tausend Euro. All Gone. Da sind dann ein, zwei Schleusen aufgegangen und ich hätte fast angefangen zu heulen. Vorm Anstieg zum Ruperti Berg ist mir dann noch die Kette rausgesprungen und dass war dann irgendwie der komplette Absturz. In Wirklichkeit ist es eh wurscht - das dauert keine 5 Sekunden - aber im Kopf war’s da dann ganz aus. In den letzten Anstiegen hat sich dann noch ein Krampf angekündigt im rechten Oberschenkel. Das auch noch. Eh schon wurscht. Hab mich dann nur noch gequält. Sobald ich aus dem Sattel gegangen bin und mir dachte ’scheiss drauf, gibst nochmal Gas am Rad und schaust was geht’, bin ich 50m weiter wieder im Sattel gesessen. Da ging im Kopf nichts mehr. Die letzten km am Rad sind dann alle Dämme gebrochen und am neuen Klagenfurter Fussballstadion bin ich heulend vorbeigerollt.
Laufen
Ich also schon komplett erledigt, und dass noch vor dem Marathon. Natürlich nicht die beste Vorraussetzung für einen schönen Lauf. War es auch nicht. Ich hab zwar voriges Jahr auch viele Gehpausen gemacht - da war’s mir aber noch wurscht und ich hab den ganzen Marathon einfach genossen. Diesmal war’s eine einzige Quälerei vom ersten Meter an. Bin dann bei den Verpflegstellen immer wieder gegangen und auch dazwischen waren viele Gehpausen. Als ich auf die Marathonstrecke gegangen bin, ist der Marino übrigens gerade in den Zielkanal eingebogen. Ende der ersten Runde hab ich die Yvonne von den Tri Stars Koma getroffen die schon auf dem Weg ins Ziel war. Hab sie dann die letzten km in ihrem Tempo begleitet (Ihre Wahnsinnszeit: 10:20h!!), und die Kraft war auch da. Sobald sie aber weg war bin ich wieder gegangen. Kopf einfach tot.
Auf der zweiten Schleife in Krumpendorf hat mich dann der Stefan begleitet und wir haben ein bissl geplaudert. Auch da war ich dann tempomäßig ganz gut unterwegs, sobald er dann aber weg war bin ich wieder gegangen. Am schlimmsten war’s dann als ich beim Ziel vorbeigelaufen bin und die Uhr schon 11:30h gezeigt hat. Um die Zeit wollte ich schon längst im Ziel sein und abfeiern - und jetzt hab ich noch den ganzen Weg nach Klagenfurt und zurück vor mir. Den Lendkanal hinaus bin ich glaub ich zu dreiviertel gegangen.
Ein Lichtblick am Ende
Sobald ich in Klagenfurt umgedreht hatte, ging es auf einmal wieder. Den ganzen Lendkanal zurück bin ich bis auf zwei Verpflegstellen in schönem Tempo durchgelaufen. Wollte dann doch noch zumindest unter 13h ins Ziel kommen. Bei Kilometer 40 der Blick auf die Uhr: 12:43:06 - The race is on! Ich hatte es noch nie bei einem Marathon geschafft von km 40 ins Ziel unter 10min zu laufen (ist immerhin ein guter 4:30er Schnitt pro km). Ein letztes Aufbäumen also - und es ging eigentlich ohne Probleme in einem guten Tempo dahin, keine wirklichen Schmerzen. Der Jubel im Ziel hat dann auch nur der Tatsache gegolten dass ich es in 9min 49sek geschafft hatte. Ansonsten große Enttäuschung beim mir im Ziel.
Organisation
Im großen und ganzen kann man glaube ich der Organisation nur ein großes Lob aussprechen.
Das Schwimmen haben sie aber einfach nicht kapiert. Zum ersten ist die Schwimmstrecke im Race Book - wieder wie voriges Jahr - falsch eingezeichnet. Bei der Rennbesprechung ist sie ebenfalls falsch. Als dann der Schwimm Masterchief die Strecke beschreibt kennt sich endgültig keiner mehr aus. Erst wenn man dann zum Ask Me - Stand gegangen ist, hat man sich ausgekannt. Ich versteh’ da echt nicht wo das Problem ist die popeligen zwei Bojen schon am Mittwoch oder Donnerstag rauszubringen. Und statt der blauen (!) Kegel würde es glaube ich auch Sinn machen als Wendebojen die gelben Powerbar-Dinger zu verwenden.
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4 Kommentare
1. Peter schrieb am 11. July 2007 um 16:45
Hi Martin:
Also genau so wars. Das mit dem Schwimmstart habe ich auch nicht gecheckt und genau so mitbekommen bzw. eben nicht mitbekommen.
Die Geschichte mit dem Rad ist einfach Wahnsinn und dass dann alles aus ist, verstehe ich total. Aber ich denk mir auch: “schlimmer kanns nicht mehr kommen” und somit wirds sicher besser.
Schreib mal wies bei dir weitergeht, vielleicht treffen wir uns ja doch mal live wo - quatschen über den Ironman und lachen über die “Teletubby” Rechenspielchen von denen ich auch einige kenne….
Bei mir gehts mit Tria am Mondsee weiter - see you..
Peter
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2. Uwe Röpstorf schrieb am 12. July 2007 um 06:13
Hi
Hatte leider auf der Strecke einen Radsturz (vor der Stelle hatten die in der Wettkampfbesprechung noch extra vor gewarnt) und hatte dann beim Laufen die entsprechenden Schmerzen und musste 12-14 km gehen. Da habe ich gedacht, Scheiße, so was kann ja nur dir passieren. Nach Lesen deines Berichtes muss ich aber erkennen, dass es andere noch härter getroffen hat. Trotz allem empfinde ich, dass der Ironman Austria ein absolut toller Wettkampf ist!
Kopf hoch, der nächste IM wird bei uns wieder besser!
Gruß Uwe
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3. MARIO schrieb am 01. August 2007 um 11:07
schöner detailierter bericht!
keine angst, die investierte zeit war sicher nicht umsonst, denn es kommen ja noch weitere ironmantermine…
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4. snick man schrieb am 02. August 2007 um 00:42
keine sorge, wenns zu leicht wär, würds ja jeder machen und es würd uns nicht mehr interessieren… =O) und so lernt man dazu. erfahrung ist im triathlon alles!
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