Drafting sucks! AKA Scheiß Lutscher!
Geschrieben von Martin Mühl am 06. June 2008. Kategorie: Radfahren
Betrogen wird im Sport an allen Ecken und Enden - kein großes Geheimnis. Doping hier, Doping da, Doping überall. Wenigstens seh ich das nicht und kann mir selbst noch immer einreden dass “mein” Sport sauber ist. Besonders nervig ist aber das Windschattenfahren in Triathlons.
Durch Windschattenfahren (aka lutschen) erspart man sich bis zu 20% der Leistung um die gleiche Geschwindigkeit wie der Vordermann zu fahren.
Die Regeln und deren Umsetzbarkeit
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Abstand zum Vordermann: mind. 10m
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Beim Überholen: seitlicher Abstand von mind. 2m, Überholvorgang darf nicht länger als 30sec dauern
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Beim Überholt werden: auf 10m Abstand zum Vordermann zurückfallen lassen
Jedem der schon mal bei einem Triathlon dabei war ist klar, dass die Regeln von niemandem 100%ig eingehalten werden können. Außer vom Normann Stadler vielleicht der ohnehin alles alleine von vorne fährt. Alle Normalsterblichen wissen aber dass es z.B. bei Anstiegen und 180° Kurven immer zu Staus kommt. Es geht für mich auch nicht darum alles Wort für Wort einzuhalten, sondern den Sinn davon zu kapieren und umzusetzen.
Ist schließlich bei der StVO nicht anders. Wenn sich jeder 100%ig daran halten würde gäbe es keinen Autoverkehr weil nichts weitergeht.
Der Sinn des Windschattenverbotes ist für mich
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Gleiche Bedingungen für alle Athleten zu schaffen
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Die Sicherheit der Athleten zu erhöhen
Demzufolge geht’s nicht darum ob jetzt jemand 8 oder 10m hinter dem Vordermann fährt, sondern darum dass es keine 20er Packl gibt die an einem vorbei radeln während man selbst im Wind krepiert.
Die Ausreden für’s Windschattenfahren
Wenn man sich diverse Internet-Foren durchliest, will ja eh keiner Windschatten fahren. Nur sind die Leute ja oft so arm dass sie regelrecht dazu gezwungen werden.
- “Die anderen machen’s ja auch”
Man würde ja eh lieber alleine fahren, aber “die anderen machen’s ja auch, also bleibt mir ja gar nichts anderes übrig wenn ich mithalten will”. Ich will da jetzt auch nicht mit der Brückespringen-analogie kommen, aber so wenig Selbstbewusstsein muss man erstmal haben. Entzieht sich vollkommen meinem Verständnis wie man das als Begründung angeben kann. Da beschimpf ich lieber jedes Packl das bei mir vorbeifährt aufs tiefste bevor ich da mitmache. - “Es geht ja nicht anders”
Auch sehr beliebt. Dieser Theorie folgend müsste man nach 10km das Rad abstellen und auf einen Kaffee gehen wenn man sich nach jedem Mal überholt werden 10m zurückfallen lassen müsste. Milchmädchenrechnung. Selbst die ärgsten windschattenverseuchten Rennen können großteils sauber gefahren werden wenn man will.
Windschattenfahren auf der olympischen Distanz
Auf der olympischen Distanz herrscht im Weltcup ja Windschattenfreigabe, ein Zustand der diese Form des Triathlons für mich komplett uninteressant macht. Bestes Beispiel warum sind die österreichischen Meisterschaften voriges Jahr auf der Donauinsel:
Einige jüngere Athleten schließen sich beim Schwimmen zusammen um den Titelverteidiger Stefan Perg abzuhängen. Es gelingt ihnen auch mit einigen Sekunden Vorsprung aus dem Wasser zu kommen, ein Vorsprung der reicht um gemeinsam auf die Radstrecke zu gehen und diesen dort auszubauen. Stefan kommt dahinter, hat alleine im Wind keine Chance heranzukommen und muss schließlich beim Laufen aufgeben. Das soll kein Vorwurf sein, zeigt aber den Schwachsinn der Regel die dazu führt dass für einen der Favoriten das Rennen nach dem Schwimmen im Prinzip verloren ist.
Hat meiner Meinung nach einfach nichts mit Triathlon zu tun. Ist sowas wie ein Bastard der die ursprüngliche Intention von Mann gegen Mann pervertiert.
Durchsetzen der Windschattenregel
Klar wird’s nie möglich sein, Windschatten fahren 100%ig auszurotten - mit einigen Maßnahmen könnte man aber denke ich die Durchsetzung des Drafting Verbotes durchsetzen.
- Ausreichend Wettkampfrichter mit Eiern in der Hose
Wenn ich beim Viennaman sehe wie ein Wettkampfrichter auf dem Motorrad brav neben einem Packl herfährt krieg ich die Wut. - Zeitnehmung
Ein leichtes wäre es doch die Zeitnehmung durch die Pentekmatten zu kontrollieren - wenn dann innerhalb von 10 Sekunden 40 Leute drüberfahren ist die Sache auch klar. Man könnte ja zusätzliche Matten auf bekannt lutscheranfälligen Streckenabschnitten auflegen (lange Geraden) und automatisch Athleten verwarnen die im Packl fahren und beim Zweiten mal disqualifizieren. - Strafen erhöhen
Beim Viennaman wurden einfach 3min Zeitstrafe zur Radzeit addiert. Einfach lächerlich im Vergleich zu dem was man sich erspart hat. Da kann man sich sicher kreativeres einfallen lassen.
Ich kann mich noch erinnern wie ich mal im TV gesehen habe als beim Ironman Austria ein Kampfrichter die komplette Spitzengruppe auf der Strasse aufgehalten und abgestraft hat, indem er sich mitten auf die Strasse stellte. Damals dachte ich mir noch was für ein Idiot das sein muss - heute würde ich ihm die Hand schütteln und ihm sagen dass er mein Held ist.
Fazit:
Wer lutscht frisst auch kleine Hunde, mag Kinder nicht, hat keine EM-Fahne am Auto und geht zum Lachen in den Keller. Und dopt. Ich hasse euch.
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12 Kommentare
1. Alfred schrieb am 06. June 2008 um 12:58
na martin wer wird den gleich so böse werden, ich habe mit triathlon nicht so viel erfahrung, und die duathlons bzw. 1-2 triathlons waren welche wie z.b weyer wo die radstrecke a.)breit genug ist
b.)schwer genug ist sodass sich am berg das thema windschatten von alleine ergibt. wie man auf der donauinsel halbdistanz windschattenfrei machen soll ist mir als laie ein rätsel (ausser bei 70 starter maximum)
aber abgesehen davon hast du auch bei uns läufern solche lutscher, die hängen bei einem 10er 9,8km hinten bei dir oder der gruppe drinnen um dann 200m in sprintermanier vorbeizugehen - auch nicht gerade die feine englische art.
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2. Martin schrieb am 06. June 2008 um 13:10
ich bin beim heurigen viennaman als 160ster aus dem wasser gekommen und habe mir dann in aller ruhe diverse überholmanöver auf der radstrecke anschauen können/müssen.
da kommt man sich als nicht-lutscher manchmal sehr komisch vor - nachher machts aber stolz. diesmal waren die kampfrichter aber aufmerksam (ich habe 2 verwarnungen live mitbekommen) in summe gabs in wien auf der MD ca. 50 3 minuten strafen. von 412 finishern - das sagt eh alles. 3 minuen sind aber lächerlich - ich bin da mehr für 20 minuten - das wirkt sich dann auch im klassement aus! 3 minutenstrafen tun das nicht!
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3. LS schrieb am 06. June 2008 um 19:05
bei der quelle challenge roth gibt es heuer 12 startwellen, über mehr als 2 stunden verteilt.
vorteil: das feld wird weiter auseinandergezogen, drafting zumindest schwerer gemacht
nachteil: es gibt keinen medienwirksamen massenstart und am finisherphoto steht die falsche zeit auf der uhr
die pros starten um 0620, dann sind die mal weg. die staffeln starten erst um 0840, dazwischen jeweils nur 250 leute auf einmal. das müsste funktionieren.
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4. Helmut Ipser schrieb am 06. June 2008 um 20:07
Bin heuer zum ersten Mal beim Viennaman/Halbdistanz gestartet und es war echt arg was da auf der Radstrecke passiert. Mehr als ein Packel an mir vorbei und hintennach der Kampfrichter. Bin auch der Meinung dass die Strafen höher sein müssen. Auf der anderen Seite bin ich stolz auf mich da nicht mitzumachen. Ich bin meine 90 km alleine gefahren.
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5. Josi schrieb am 07. June 2008 um 00:59
ich lutsche nicht, hab aber trotzdem keine EM-Fahne am Auto!
Aber ernsthaft, 3 min Strafe bei einer Halbdistanz ist lächerlich. Da nehmen doch viele die Strafe bewusst in Kauf, weil man sich durchs Windschatten fahren eh mehr erspart..
Ich wär für 10 min angehalten werden beim einfahren in die WZ, und zwar ohne währenddessen umziehen, essen oder trinken! Da überlegt man sichs glaub ich zweimal!
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6. Martin Mühl schrieb am 07. June 2008 um 11:00
@alfred
man kann auch den viennaman fahren ohne zu draften, habe ich voriges jahr auch geschafft. es geht ja nicht darum unbedingt die 10m einzuhalten, sondern nicht im 20er packl zu fahren. und was das Windschattenlaufen angeht - Sammy Korir kann sicher ein Lied davon singen
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7. Arthur Woloszyn schrieb am 10. June 2008 um 20:51
Ich gig dir zu 100% recht. Aber wenn du nach Hawaii willst solltest du dich damit abfinden. Ich war letztes Jahr als Zuschauer in FFM und 70% der Finisher unter 10h hatten ein Kreuz auf ihr Startnummer. Am Wochenende war ich in Kulmbach bei der DM in der Mitteldistanz und auch da wurde nur gelutscht. Leider war ich mitten drin und sogar die Zuschauer haben immerwieder gefragt ob wir beim Mannschaftszeitfahren seinen. Aber wenn man ein gutes Ergebniss haben will oder woe du sogar nach Hawaii will muss man mit der Gruppe mitgehen. Traurig aber Wahr.
Da das Radfahren meine Stärke ist bin ich auch klar gegen das Lutschen. Ich hab auch versucht zumindest 7m abstand zu halten und auch viele andere in der Gruppe haben sich aufgeregt aber es gab keine andere Wahl. Sonst hätte ich mindestens 5min auf die Gruppe verloren.
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8. Martin Mühl schrieb am 10. June 2008 um 22:19
Ich muss ehrlich sagen, davor graut mir schon. Ich habs immer befürchtet dass es wenns um die Quali geht vielleicht nicht anders gehen wird.
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9. Marcus schrieb am 10. July 2008 um 15:24
Arthur, mit dem statement hast Du Dich gerade selbst disqualifiziert! Drafting ist immer eine aktive Entscheidung des Athleten es zu tun. Von wegen, “die anderen machen’s ja auch”, “ich bin aber vorne gefahren”, “was sollte ich denn tun”?
Ganz einfach: BREMSEN und die Gruppe ziehn lassen. So steht’s in der Sportordnung. Gruß Marcus
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10. Maik schrieb am 22. July 2008 um 17:38
Jaja, bremst Ihr nur fleißig wenn ihr überholt werdet! Das schau ich mir an!
Wenn die tollen Radfahrer vorbeiziehen an dann schon neben mit verrecken weil ihnen die Körner ausgehen!
Der Vordermann muss verantwortlich sein für das Einhalten der 10m Regel.
Es kann doch nicht sein, dass so ein Vollidiot 30cm vor mir wieder rechts fahren will und sich vor mich hin schiebt!
Ich steig sicher nicht auf die Bremse und aus dem Rythmus bringen lass ich mich auch nicht!
Es gehören einfach viel mehr Wasserflaschen geworfen!!!
Ich bin dafür, dass draften wieder erlaubt wird, aber der Schnellere erst wieder 10m vor dem Überholten einreihen darf.
Aber by the ways: 2400 Starter beim IM Klagenfurt. Davon steigen 400 beinahe gleichzeitig aus dem Wasser. Wo soll ich hin? Soll ich Eurer Meinung nach aufs Klo gehen und solange Kacken bis die Strasse frei ist? Ich darf ja nach links ausweichen auch offiziell nicht, weil ja Rechtsfahrgebot herrscht!
Und zum Thema Stefan Perg: Wäre er doch schneller geschwommen…
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11. Martin Mühl schrieb am 22. July 2008 um 17:57
da sind ja einige schmankerl dabei:
“Der Vordermann muss verantwortlich sein für das Einhalten der 10m Regel.”
ist er aber nicht.
“Es kann doch nicht sein, dass so ein Vollidiot 30cm vor mir wieder rechts fahren will und sich vor mich hin schiebt!”
da hast du recht, habe ich aber auch noch nie gesehen. und wenn doch hats nichts mit windschattenfahren oder nicht zu tun, sondern dann ist er wirklich ein idiot.
“Es gehören einfach viel mehr Wasserflaschen geworfen!!!”
willst über irgendwas reden? ist das ein hilfeschrei?
“Ich bin dafür, dass draften wieder erlaubt wird, aber der Schnellere erst wieder 10m vor dem Überholten einreihen darf.”
und ich bin dafür dass es auf der autobahn keine geschwindigkeitsbegrenzungen gibt, man aber nicht schneller als 130 km/h fahren darf.
“Aber by the ways: 2400 Starter beim IM Klagenfurt. Davon steigen 400 beinahe gleichzeitig aus dem Wasser. Wo soll ich hin? Soll ich Eurer Meinung nach aufs Klo gehen und solange Kacken bis die Strasse frei ist? Ich darf ja nach links ausweichen auch offiziell nicht, weil ja Rechtsfahrgebot herrscht!”
ich glaube du solltest besser gar nicht starten.
“Und zum Thema Stefan Perg: Wäre er doch schneller geschwommen…”
du hast genau verstanden worauf ich hinauswollte.
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12. Jörg schrieb am 17. September 2008 um 16:32
hi,wer sich das dilemma in florida bei 70.3 angesehen hat könnte auch das brechen kriegen.
trotz wellenstart ( find ich scheisse ) gruppenbildung ohne ende.aber mit de brinchitis im als,dachte ich mir lass die mal fahren und schau mal .
meine 37,5er bin ich dann mit bremsen und vorbeifahren lassen gefahren und stolz drauf .im prinzip sind die gruppenläufer auch die lutscher beim radfahren gewesen.
an alle “es ging nicht anders ” ruft doch den fuentes an da iat es nicht so offensichtlich und viel spass beim weiteren bescheissen und schulterklopfen .
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